"Liebe,
Hoffnung, Glaube – und wo bleibt da der
Spaß?
Auszüge aus dem
Festgottesdienst am 21. Mai in
Schöneiche, Pfarrerin Kerstin Lütke

Eigentlich habe ich mit Spaß
immer Lachen
verbunden, oder Begeisterung,
Unbeschwertsein. Heute ist da dieser andere
Klang.
Es gibt so viel Spaß, der an der Oberfläche bleibt.
Mit dem
man sich unterhält, ablenkt, zerstreut. Für viele
wichtige
Dinge verkümmern die Sinne, und Nachdenken ist anstrengender.
Ich
will Spaß haben, Spaßgesellschaft,
Badespaß, nur so
zum Spaß ..., spaßbetonte Spaßkultur, und
wer kein
Geld mehr hat, für den ist der Spaß schnell zu Ende.
[Rückfrage:] "Ja, was willst du denn?"
Echtheit,
Jubel, Tiefe, Freude, Stil, Klugheit, Hingabe, was viele wollen und
wonach sie sich sehnen. Platz in mir für die Erfahrung von
Traurigkeit, Leid, Mitleid und Schmerz.
Und etwas mehr von so etwas Altmodischem wie Liebe, Hoffnung und
Glauben.
| "Eigentlich
habe ich mir immer eine Spaßgesellschaft gewünscht."
sagt Harald Schmidt. "Dass es dann so spaßig werden würde, erschreckt mich jetzt doch etwas." |
Es geht bei der Kritik an der Spaßgesellschaft nicht um eine Geschmacksfrage von Humorlosen. Es geht grundsätzlich um die Frage nach dem Wirklichkeitsverständnis und dem Wertgefüge unserer Gesellschaft. Ernsthaftigkeit – und das heißt nicht Freudlosigkeit – sollte wieder mehr Gewicht bekommen gegenüber der Belanglosigkeit ...
Misserfolge und Verluste gehören zum Leben. Sie sind aber heute Spaßverderber. Und Menschen, die sich mit Verlierern identifizieren, haben es schwer. Auch Leid, Behinderung und Schwäche haben in einer Scheinwelt keinen Platz.
Aber was ist mit einer Gesellschaft ohne Glaube, ohne Hoffnung und ohne Liebe?
Ohne einen Glauben, den man mit anderen teilt, fehlt ein Fundament der Gemeinschaft, ein einigendes Band, das Menschen, trotz aller Verschiedenheit, zusammenhält. ....
Hoffnung
gehört zum Leben wie das Atmen. ... Wenn es nichts zu glauben
und
zu hoffen gibt, lohnt sich auch keine Anstrengung. Es gibt
kein Ziel.
Lebendige Hoffnung aber gestaltet die Gegenwart. ...
Liebe hat mit Vertrauen, ja mit Urvertrauen zu tun. ...
Ohne
Grundvertrauen gibt es kein Selbstvertrauen. Menschen ohne
Grundvertrauen und Selbstvertrauen aber sind gar nicht
leistungsfähig. Wahrscheinlich sind sie auch nicht
leistungsbereit
oder risikofreudig, und nicht leidensfähig. Glauben, Lieben
und
Hoffen hat nicht nur individuelle, sondern durchaus gesellschaftliche
Konsequenzen.
(nach:
Peter Hahne,
"Schluß mit lustig")
| Gott, gib uns deinen Geist, der nicht benebelt, sondern zur Klarheit verhilft.
Gott, gib uns deinen Geist,der nicht süchtig macht, sondern heilt.
Gott, gib uns deinen Geist,der nicht beruhigt, sondern mutig macht.
Gott, gib uns deinen Geist,der uns nicht belustigt, sondern uns tiefe Freude schenkt.
Gott, gib uns deinen Geist,der uns nicht nur konsumieren, sondern schöpferisch tätig sein lässt.
Gott, gib uns deinen Geist,der uns Möglichkeiten zu leben zeigt, wo wir aufgeben wollen.
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Gib uns deinen Geist, der Hochmut entlarvt und Sünde beim Namen nennt.
Gib uns deinen Geist,der unterscheiden lehrt und Dummheit nicht als Freiheit verkauft.
Gib uns deinen Geist,der die Gier nach Profit austreibt und Fairness als Gewinn sieht.
Gib uns deinen Geist,der die Angst begrenzt und Gelähmte in Bewegung bringt.
Gib uns deinen Geist,der Mut macht, zu verzichten, damit alle leben können.
Gib uns deinen Geist,der die Augen öffnet und staunen lässt über die Schöneheit der Schöpfung.
Gib uns deinen Geist,der Respekt und Scham von dem Vorurteil "Feigheit!" befreit
und uns feinfühlig werden lässt für eigene und fremde Würde.
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| Gott, gib auch mir deinen Geist, wo ich sprachlos geworden bin und stumm, wo die Sehnsucht mich umtreibt und ich nicht weiß, wer du bist und wer ich zu werden bin. |
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